E-Rezept Physiotherapie 2026: Was sich für Ihre Praxis ändert
Das E-Rezept für die Physiotherapie ist Dauerthema in der Branche. Wir sortieren, was 2026 wirklich gilt, welche Fristen verschoben wurden und wie Sie Ihre Praxis ohne Hektik vorbereiten.
Kurz zusammengefasst
- Das E-Rezept für die Physiotherapie heißt fachlich elektronische Verordnung (eVO) und löst künftig das Papierformular Muster 13 ab.
- 2026 wird die eVO noch nicht Pflicht: Es bleibt bei der Papierverordnung. Dieses Jahr ist ein Vorbereitungsjahr.
- Die verpflichtende TI-Anbindung wurde vom 1. Januar 2026 auf den 1. Oktober 2027 verschoben (Bundestagsbeschluss vom 6. November 2025).
- Nach aktuellem Stand sind Pilotphasen für 2027 und die flächendeckende Pflicht für 2028 vorgesehen.
- Sinnvoll jetzt: Praxissoftware und TI-Anschluss in Ruhe planen. Die TI-Kosten werden für Heilmittelpraxen erstattet.
E-Rezept, eVO und Muster 13: die Begriffe kurz sortiert
Wenn von einem E-Rezept für die Physiotherapie die Rede ist, sind genau genommen zwei verschiedene Dinge gemeint. Das E-Rezept im engeren Sinn gilt für Arzneimittel aus der Apotheke und ist seit Januar 2024 in Arztpraxen Pflicht. Für Heilmittel wie Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und Podologie heißt das Gegenstück elektronische Verordnung, kurz eVO oder E-Verordnung. Sie wird das vertraute Papierformular Muster 13 ablösen.
Weil die Begriffe im Alltag durcheinandergehen, suchen viele Praxen und Patientinnen nach dem E-Rezept für die Physiotherapie und meinen die eVO. In diesem Beitrag verwenden wir beide Begriffe für den Heilmittelbereich, sprechen aber dort von eVO, wo es auf die genaue Rechtslage ankommt. Wie die Papierverordnung heute aus Patientensicht funktioniert, lesen Sie im Patient-Ratgeber zum Physiotherapie-Rezept und seinen Fristen.
Ab wann ist das E-Rezept für Physiotherapie Pflicht?
Die kurze Antwort: 2026 noch nicht. Der Zeitplan rund um die elektronische Heilmittelverordnung wurde mehrfach verschoben, zuletzt deutlich. Wichtig für Ihre Praxis ist, beide Bausteine auseinanderzuhalten: die TI-Anbindung als technische Grundlage und die eVO als die eigentliche elektronische Verordnung. Der folgende Überblick zeigt den Stand von Mai 2026.
| Zeitpunkt | Was gilt |
|---|---|
| seit Jan 2024 | E-Rezept für Arzneimittel ist in Arztpraxen und Apotheken Pflicht. Betrifft Physio-Praxen nicht direkt, dient aber als Vorbild für die eVO. |
| 2026 | Übergangs- und Vorbereitungsjahr. Für Heilmittelpraxen wird in diesem Jahr noch keine eVO und kein TI-Anschluss verpflichtend. Es gilt weiter die Papierverordnung (Muster 13). |
| ab 1. Okt 2027 | Geplante verpflichtende TI-Anbindung für Heil- und Hilfsmittelerbringer. Der Bundestag hat den ursprünglichen Termin 1. Januar 2026 mit Beschluss vom 6. November 2025 verschoben. |
| 2027 (Pilot) | Erste Pilotphasen der elektronischen Heilmittelverordnung (eVO). Einzelne Praxen können erste E-Verordnungen testweise empfangen. |
| 2028 (geplant) | Nach aktuellem Stand soll die eVO flächendeckend verpflichtend werden und Muster 13 ablösen. Der genaue Termin ist gesetzlich noch in Bewegung. |
Die Termine stehen unter Vorbehalt: Der Gesetzgeber hat den Fahrplan in den vergangenen Jahren wiederholt angepasst. Verbindlich ist immer der aktuelle Stand der gematik und Ihres Berufsverbands. Verlassen Sie sich nicht auf einzelne Jahreszahlen aus älteren Beiträgen, in denen noch von einer Pflicht im Jahr 2026 die Rede war.
Ihre Praxis bei Therapeutenatlas listen
Patientinnen finden über unseren Konfigurator passende Praxen in ihrer Region. Lead-basiertes Modell, keine monatliche Grundgebühr.
Praxis kostenlos eintragen →Wie das E-Rezept im Praxisalltag ablaufen wird
Eine offizielle Spezifikation jedes Details steht noch aus. Aus dem erprobten E-Rezept für Arzneimittel lässt sich der künftige Ablauf in der Physio-Praxis aber gut ableiten. In vier Schritten wird sich der Alltag voraussichtlich so darstellen:
1. Voraussetzung: TI-Anschluss
Ihre Praxis braucht einen Anschluss an die Telematikinfrastruktur (TI): das sichere Netz im Gesundheitswesen. Dazu gehören Kartenlesegerät, Praxisausweis (SMC-B) und Heilberufsausweis (eHBA).
2. Verordnung annehmen
Die eVO rufen Sie voraussichtlich über die elektronische Gesundheitskarte (eGK), einen ausgedruckten QR-Code oder eine App der Patientin ab. Sie landet automatisch in Ihrer Praxissoftware.
3. Behandeln und bestätigen
Statt der Unterschrift auf der Rückseite des Papierrezepts bestätigt die Patientin digital, etwa per Unterschrift auf dem Tablet. Diese digitale Rückseite ersetzt das Ankreuzen auf Papier.
4. Digital abrechnen
Die fertig behandelte Verordnung geben Sie digital zur Abrechnung frei: über Ihre Software oder Ihre Abrechnungsstelle. Falsche Kürzel und unleserliche Einträge entfallen.
Drei Wege zur Annahme zeichnen sich ab: die elektronische Gesundheitskarte im Lesegerät, ein von der Patientin ausgedruckter QR-Code oder die Verordnung in einer App. Wie genau die Behandlungsbestätigung bei Hausbesuchen oder in Pflegeeinrichtungen funktioniert, ist noch nicht final geregelt. Für die digitale Abrechnung selbst ändert sich an der grundsätzlichen Verordnungslogik wenig: Maßgeblich bleibt der Heilmittelkatalog. Die zugehörigen Grundlagen erläutern wir aus Patientensicht im Ratgeber zur Manuellen Therapie und ihrer Verordnung.
Was tun, wenn Kasse oder Arztpraxis noch nicht umgestellt haben?
Diese Sorge ist 2026 unbegründet, denn der Regelfall ist weiterhin die Papierverordnung. Solange die eVO nicht verpflichtend ist, stellt keine Arztpraxis Sie vor ein Problem, wenn sie Muster 13 ausstellt. Und auch nach dem Pflichtstart sieht der Gesetzgeber Übergänge vor. Die folgende Übersicht ordnet ein, was bleibt und worauf Sie achten sollten:
Bleibt gültig
Solange die eVO nicht verpflichtend ist, stellen Arztpraxen weiter die Papierverordnung Muster 13 aus, und Sie nehmen sie wie gewohnt an. 2026 ändert sich an diesem Ablauf nichts.
Übergangsregelung
Auch nach dem verpflichtenden Start bleibt laut § 360 SGB V die Papierverordnung zulässig, wenn der elektronische Abruf im Einzelfall aus technischen Gründen nicht möglich ist.
Kein Grund zur Eile, aber
Wer 2026 freiwillig den TI-Anschluss und eine Praxissoftware vorbereitet, hat beim Pflichtstart keinen Zeitdruck. Die Ausstattungs- und Betriebskosten der TI werden für Heilmittelpraxen erstattet (§ 380 SGB V).
Noch nicht final spezifiziert
Details zu Hausbesuch, Vertretung und Unterschrift durch Dritte (etwa Pflegepersonal im Heim) sind von der gematik noch nicht abschließend festgelegt. Verlassen Sie sich auf die Angaben Ihres Berufsverbands und Software-Anbieters.
Was Sie 2026 sinnvoll vorbereiten können
Auch wenn nichts drängt: Wer die Umstellung früh angeht, hat beim Pflichtstart keinen Zeitdruck und kann TI und eVO in Ruhe in den Praxisalltag einarbeiten. Zwei Bausteine lohnen sich jetzt. Erstens eine Praxissoftware, die Verordnungen digital erfasst und später eVO und digitale Abrechnung unterstützt. Zweitens der Anschluss an die Telematikinfrastruktur, für den Sie ein Kartenlesegerät, den Praxisausweis (SMC-B) und einen Heilberufsausweis (eHBA) benötigen. Die Ausstattungs- und Betriebskosten werden für Heilmittelpraxen über die TI-Pauschalen erstattet.
Bei der Wahl von Software und TI-Anschluss gibt es mehrere Anbieter, darunter Abrechnungs- und Softwarehäuser wie opta data und thevea, das Deutsche Medizinrechenzentrum (DMRZ) oder RED Medical. Vergleichen Sie Leistungsumfang, Vertragslaufzeit und Support sachlich und prüfen Sie, ob Ihre bestehende Abrechnungsstelle die eVO bereits mitdenkt. Eine pauschale Empfehlung gibt es nicht: Die passende Lösung hängt von Praxisgröße, Berufsgruppe und vorhandener Ausstattung ab. Einen Überblick über weitere Praxisthemen finden Sie in unserem Praxiswissen für Therapeutinnen und Therapeuten. Wenn Sie Ihre Praxis sichtbarer machen möchten, lohnt ein Blick auf den Therapeutenatlas für Praxen.
Quellen & Hinweise
- § 360 SGB V: Verordnung und Abruf über die Telematikinfrastruktur
- gematik: Stand und Fahrplan der elektronischen Verordnung
- Physio Deutschland: Berufsverband, aktuelle Fristen
- GKV-Spitzenverband: Heilmittel und Versorgungsverträge
Dieser Artikel ersetzt keine individuelle steuerliche, rechtliche oder berufsstandsrechtliche Beratung. Bitte konsultieren Sie bei konkreten Fragestellungen Ihre Steuerberatung, Anwältin oder Ihren Berufsverband. Fristen, Gesetze und Verordnungen rund um die eVO sind in Bewegung: Bitte prüfen Sie den aktuellen Stand direkt bei den genannten Quellen. Stand: Mai 2026.
Häufige Fragen
Ab wann ist das E-Rezept für Physiotherapie Pflicht?
Nach aktuellem Stand (Mai 2026) wird die elektronische Heilmittelverordnung (eVO) nicht 2026, sondern voraussichtlich 2028 flächendeckend verpflichtend, mit Pilotphasen ab 2027. Die ursprünglich für 2026 vorgesehenen Termine wurden verschoben. Den genauen, verbindlichen Termin entnehmen Sie der gematik und Ihrem Berufsverband.
Was ist der Unterschied zwischen E-Rezept und eVO?
Das E-Rezept gilt streng genommen für Arzneimittel aus der Apotheke. Für Heilmittel wie Physiotherapie heißt das Pendant elektronische Verordnung (eVO oder E-Verordnung). Umgangssprachlich wird oft vom E-Rezept für die Physiotherapie gesprochen. Gemeint ist die eVO, die das Papierformular Muster 13 ablösen wird.
Muss meine Physio-Praxis 2026 schon an die TI angeschlossen sein?
Nein. Die verpflichtende TI-Anbindung für Heil- und Hilfsmittelerbringer war ursprünglich zum 1. Januar 2026 vorgesehen, wurde aber mit Bundestagsbeschluss vom 6. November 2025 auf den 1. Oktober 2027 verschoben. Ein freiwilliger Anschluss ist möglich und wird bezuschusst.
Was passiert, wenn die Arztpraxis noch eine Papierverordnung ausstellt?
Das ist 2026 der Normalfall und völlig unproblematisch. Sie nehmen Muster 13 wie gewohnt an und rechnen es wie bisher ab. Erst mit dem verpflichtenden Start der eVO wechselt der Regelfall auf die elektronische Verordnung, wobei die Papierform als technische Ausnahme zulässig bleibt.
Welche Geräte und Karten brauche ich für die eVO?
Für den TI-Anschluss benötigen Sie ein Kartenlesegerät, den Praxisausweis (SMC-B) und einen Heilberufsausweis (eHBA) sowie eine Praxissoftware, die eVO und digitale Abrechnung unterstützt. Freie Mitarbeitende nutzen nach aktuellem Stand die TI-Infrastruktur der Praxis mit und brauchen keinen eigenen eHBA.
Wie bestätigen Patientinnen künftig die Behandlung?
An die Stelle der Unterschrift auf der Rückseite des Papierrezepts tritt die sogenannte digitale Rückseite: eine digitale Bestätigung, etwa per Unterschrift auf Tablet oder Smartphone. Für Fälle, in denen Patientinnen nicht selbst unterschreiben können, wird voraussichtlich eine Bestätigung durch Bevollmächtigte vorgesehen.
Weiterführende Themen
Praxiswissen im Überblick
Fachbeiträge zu Abrechnung, Praxisrecht und Praxisführung für Heilmittelpraxen.
Therapeutenatlas für Praxen
Wie Ihre Praxis für Patientinnen in der Region sichtbar wird.
Physiotherapie-Rezept: das gilt 2026
Patient-Sicht: Gültigkeit, Fristen und Zuzahlung beim Physio-Rezept.
Physiotherapie nach Knie-OP
Patient-Sicht: Ablauf, Verordnung und Erstattung der Reha-Physiotherapie.
Ihre Praxis auf Therapeutenatlas
Tragen Sie Ihre Praxis kostenlos ein und werden Sie für Patientinnen und Patienten in Ihrer Region sichtbar. Den optionalen Lead-Zugang aktivieren Sie nur, wenn Sie ihn brauchen.