Ratgeber · Aktualisiert Mai 2026

Physiotherapie-Rezept:
Was Sie beachten müssen

Gültigkeit, Fristen, Zuzahlung und Sonderfälle: So lösen Sie Ihre Verordnung richtig ein und vermeiden böse Überraschungen mit der Krankenkasse.

Kurz zusammengefasst

  • Ein Physiotherapie-Rezept muss innerhalb von 28 Tagen eingelöst werden, die Behandlung soll binnen 14 Tagen beginnen.
  • Zuzahlung für gesetzlich Versicherte ab 18: 10 € Rezeptgebühr plus 10 Prozent der Behandlungskosten pro Verordnung.
  • Der Standard-Regelfall umfasst meist sechs Einheiten. Reicht das nicht, ist eine Verordnung außerhalb des Regelfalls möglich.
  • Hausbesuche, höhere Frequenzen und zusätzliche Heilmittel müssen auf dem Rezept ausdrücklich gekennzeichnet sein.
  • Bei Privatrezepten zahlen gesetzlich Versicherte in der Regel selbst, eine Zusatzversicherung kann anteilig erstatten.

Was ist ein Physiotherapie-Rezept eigentlich?

Das Physiotherapie-Rezept, formal eine Verordnung von Heilmitteln, ist die Eintrittskarte zur Behandlung auf Kassenkosten. Es wird von einer Ärztin oder einem Arzt mit Kassenzulassung ausgestellt und regelt, welche Therapieform Sie wie oft und in welchem Zeitraum erhalten.

Die rechtliche Grundlage bildet die Heilmittel-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA). Sie legt für jede Diagnose fest, welche Heilmittel medizinisch sinnvoll sind und wie viele Einheiten die gesetzliche Krankenversicherung als Regelfall übernimmt.

Auf dem Formular finden Sie die wichtigsten Pflichtangaben. Wenn ein Punkt fehlt oder falsch ist, kann die Praxis das Rezept nicht abrechnen. Prüfen Sie deshalb direkt nach der Aushändigung kurz folgende Felder.

Versichertendaten

Name, Geburtsdatum, Krankenkasse und Versichertennummer müssen korrekt eingetragen sein.

Verordnungsdatum

Tag der Ausstellung. Davon laufen die Fristen zum Einlösen und Behandlungsbeginn.

Diagnose und ICD-10-Code

Beides ist Pflicht. Der Code bestimmt die zugeordnete Diagnosegruppe im Heilmittelkatalog.

Heilmittel

Genaue Bezeichnung der Therapie, z. B. Krankengymnastik (KG), Manuelle Therapie (MT) oder Lymphdrainage (MLD).

Anzahl der Einheiten

Standardmäßig sechs Einheiten pro Verordnung. Je nach Diagnosegruppe sind mehr möglich.

Frequenz

Wie oft pro Woche behandelt werden soll, z. B. 1 bis 2 Mal wöchentlich.

Therapiebericht

Ankreuzfeld. Wenn aktiv, schickt die Praxis nach Abschluss einen Bericht an die Ärztin.

Hausbesuch

Nur mit ärztlicher Kennzeichnung erstattungsfähig. Wird sonst privat in Rechnung gestellt.

Wenn Sie jetzt eine Physiotherapie-Praxis in Ihrer Nähe suchen, hilft Ihnen unsere Therapeutensuche bei der Auswahl nach Schwerpunkt, Wartezeit und Kassenzulassung.

Wie lange ist ein Physiotherapie-Rezept gültig?

Die Fristen rund um die Verordnung sind der häufigste Stolperstein. Wer zu lange wartet, riskiert, dass die Kasse die Behandlung nicht mehr bezahlt. Vier Eckdaten sollten Sie sich merken.

Einlösefrist: 28 Tage

Ab dem Ausstellungsdatum haben Sie 28 Kalendertage Zeit, das Rezept bei einer Physiotherapie-Praxis einzureichen. Verstreicht diese Frist, ist das Rezept ungültig.

Behandlungsbeginn: 14 Tage

Die erste Therapieeinheit muss innerhalb von 14 Tagen nach dem Ausstellungsdatum stattfinden. Schaffen Sie das nicht, brauchen Sie ein neues Rezept oder eine schriftliche Begründung der Ärztin.

Behandlungsunterbrechung: maximal 14 Tage

Zwischen zwei Einheiten dürfen nicht mehr als 14 Tage liegen, sonst verfällt die Verordnung. Bei längerer Krankheit oder Urlaub kann die Praxis eine medizinisch begründete Pause dokumentieren.

Folgeverordnung: rechtzeitig anstoßen

Ist absehbar, dass die verordneten Einheiten nicht ausreichen, sprechen Sie die Praxis rund zwei Wochen vor Ende an. Sie liefert den Therapiebericht und die Ärztin entscheidet über eine Folgeverordnung.

Tipp: Vereinbaren Sie den ersten Termin möglichst direkt am Tag der Ausstellung. Gute Praxen prüfen Fristen automatisch beim Annehmen des Rezepts. In welcher Stadt Sie suchen, spielt selten eine Rolle: In Ballungsräumen wie unserer Übersicht zu Physiotherapie in Frankfurt gibt es meist mehrere Praxen mit kurzfristig freien Plätzen.

Zuzahlung beim Physiotherapie-Rezept: Was kostet es Sie wirklich?

Bei der gesetzlichen Krankenversicherung ist Physiotherapie eine Regelleistung. Trotzdem beteiligen sich gesetzlich Versicherte ab 18 Jahren mit einer gesetzlichen Zuzahlung an den Kosten. Diese setzt sich aus zwei Komponenten zusammen.

Erstens zahlen Sie eine pauschale Rezeptgebühr von 10 € pro Verordnung. Zweitens kommen 10 Prozent der Behandlungskosten dazu. Bei einer typischen Verordnung über sechs Einheiten Krankengymnastik bewegt sich die Gesamtsumme meist zwischen 20 und 30 €.

Kinder und Jugendliche unter 18 sind von beiden Posten befreit. Wer aufgrund einer chronischen Erkrankung oder geringer Einkommen die jährliche Belastungsgrenze überschreitet (2 Prozent vom Brutto-Familien- einkommen, 1 Prozent bei chronisch Kranken), kann sich auf Antrag bei der Kasse von der Zuzahlung befreien lassen.

Als Orientierung: So liegen die Selbstzahler-Preise pro Einheit im Jahr 2026 im bundesweiten Schnitt. Das ist relevant, wenn Sie Privatrezept, Hausbesuch ohne Kennzeichnung oder Behandlung über den Regelfall hinaus privat bezahlen.

HeilmittelDauerPreis
Krankengymnastik (KG)20 Min25 € – 40 €
Manuelle Therapie (MT)20–25 Min30 € – 50 €
Manuelle Lymphdrainage (MLD)30–60 Min30 € – 75 €
KG-ZNS (Bobath, PNF)30–45 Min40 € – 60 €
Krankengymnastik am Gerät (KGG)60 Min30 € – 50 €
Hausbesuch (Zuschlag)pauschal10 € – 25 €

Manuelle Therapie ist eine spezialisierte Behandlungsform, die bei Gelenkblockaden, Bandscheibenproblemen oder nach Verletzungen verordnet wird. Worin sie sich von Krankengymnastik unterscheidet und in welchen Fällen sie sinnvoll ist, beschreibt der Ratgeber zur Manuellen Therapie.

Sonderfälle: Verordnung außerhalb des Regelfalls und Privatrezept

Der Regelfall im Heilmittelkatalog deckt einen Großteil der Standard- Beschwerden ab. Es gibt aber Situationen, in denen mehr Einheiten, höhere Frequenzen oder andere Bedingungen nötig sind. Vier Konstellationen sehen Sie häufig auf Rezepten.

Verordnung außerhalb des Regelfalls

Wenn die üblichen Einheiten pro Diagnosegruppe nicht reichen, kann die Ärztin eine Verordnung außerhalb des Regelfalls ausstellen. Das geht ohne Genehmigung der Kasse, muss aber medizinisch begründet sein.

Langfristiger Heilmittelbedarf

Bei bestimmten Diagnosen (z. B. Multiple Sklerose, schwere neurologische Erkrankungen) gibt es eine Anerkennung des langfristigen Heilmittelbedarfs. Die Zuzahlung bleibt, aber die Verordnung muss nicht ständig neu begründet werden.

Akut-Verordnung

Nach Operationen oder akuten Verletzungen ist eine sogenannte Akut-Verordnung möglich, oft mit höherer Frequenz und ohne Anrechnung auf den Regelfall.

Privatrezept (Grünes Rezept)

Stellt die Ärztin ein Privatrezept aus, trägt der gesetzlich Versicherte die Kosten meist selbst. Manche Zusatzversicherungen erstatten anteilig. Vorab schriftlich bei der Kasse anfragen.

Ein typisches Beispiel für eine Verordnung außerhalb des Regelfalls ist die Reha nach einer Knie-Operation: Hier sind häufig deutlich mehr Einheiten und längere Behandlungsphasen notwendig. Die Timeline und den Behandlungsablauf beschreibt der Ratgeber zur Reha nach einer Knieoperation.

Bei Privatrezepten lohnt sich der Blick in die Police: Ob und wie viel Ihre Kasse oder Zusatzversicherung übernimmt, finden Sie im Kassen-Kompass mit den Erstattungssätzen. Wer Heilpraktiker- und Osteopathie-Leistungen kombiniert, kann die Informationen zu Osteopathie und Krankenkasse gleich mit prüfen.

Was tun, wenn das Rezept abgelaufen oder fehlerhaft ist?

In der Praxis passieren oft kleine Pannen: Ein Datum stimmt nicht, die Diagnosegruppe ist nicht eingetragen, oder die Behandlung verzögert sich wegen Wartezeit. Drei Wege führen meist zum Ziel.

Praxis fragen

Erfahrene Physiotherapie-Praxen klären formelle Fehler oft direkt mit der ausstellenden Arztpraxis. Ein kurzer Anruf reicht.

Begründung nachreichen

Bei verspätetem Behandlungsbeginn akzeptieren viele Kassen eine kurze schriftliche Begründung der Ärztin (z. B. Wartezeit der Praxis).

Im Zweifel neues Rezept

Ist das Rezept älter als 28 Tage oder schwer leserlich, ist ein neues Rezept der sauberste Weg. Termin bei der Ärztin meist ohne großen Aufwand kurzfristig möglich.

Physiotherapie ohne Rezept: Geht das überhaupt?

Grundsätzlich ja, aber dann zahlen Sie selbst. Drei Wege führen zur Behandlung ohne ärztliche Verordnung. Erstens als reine Selbstzahlerin: Sie buchen eine Einheit und tragen die Kosten privat, ohne jede Beteiligung der Kasse. Zweitens über einen sektoralen Heilpraktiker für Physiotherapie, der ohne Rezept eigenverantwortlich behandeln darf. Drittens in ausgewählten Modellregionen über den Direktzugang, bei dem Physiotherapeutinnen ohne ärztliche Verordnung diagnostizieren und behandeln dürfen. Dieser Direktzugang ist 2026 noch nicht flächendeckend etabliert.

Wenn Sie eine Physiotherapie-Praxis in Ihrer Nähe suchen, lohnt sich der Vergleich nach Spezialisierung, Wartezeit und Kassenzulassung. Unser Konfigurator filtert direkt nach Ihrer Region und der gewünschten Therapieform.

Quellen & Hinweise

Dieser Artikel ersetzt keine individuelle ärztliche oder therapeutische Beratung. Erstattungssätze und Zuzahlungen können sich ändern. Bitte prüfen Sie aktuelle Konditionen bei Ihrer Krankenkasse. Stand: Mai 2026.

Häufige Fragen

Wie lange ist ein Physiotherapie-Rezept gültig?

Ein Standard-Rezept der gesetzlichen Krankenkasse muss innerhalb von 28 Tagen nach Ausstellung in einer Praxis eingelöst werden. Die erste Behandlung soll spätestens 14 Tage nach Ausstellung beginnen. Zwischen zwei Therapieeinheiten dürfen maximal 14 Tage liegen, sonst verfällt die Verordnung.

Was kostet die Zuzahlung bei einem Physiotherapie-Rezept?

Gesetzlich Versicherte ab 18 Jahren zahlen pro Verordnung 10 € Rezeptgebühr plus 10 Prozent der Behandlungskosten zu. Bei sechs Einheiten Krankengymnastik liegt die Zuzahlung meist zwischen 20 und 30 €. Wer die individuelle Belastungsgrenze von 2 Prozent des Brutto-Familieneinkommens (1 Prozent bei chronisch Kranken) überschritten hat, kann sich auf Antrag bei der Kasse befreien lassen.

Was bedeutet 'außerhalb des Regelfalls' auf dem Rezept?

Der Heilmittelkatalog des G-BA legt für jede Diagnosegruppe eine bestimmte Anzahl erstattungsfähiger Einheiten als Regelfall fest. Reicht das nicht aus, kann die Ärztin eine Verordnung außerhalb des Regelfalls ausstellen. Seit der Heilmittel-Richtlinie braucht diese keine vorherige Genehmigung der Kasse mehr, muss aber medizinisch begründet werden.

Kann ich Physiotherapie ohne Rezept bekommen?

Ja, als Selbstzahler oder über den sogenannten sektoralen Heilpraktiker für Physiotherapie ist eine Behandlung ohne ärztliche Verordnung möglich. Die Krankenkasse übernimmt dann allerdings keine Kosten. In einzelnen Modellprojekten gibt es zudem den Direktzugang, bei dem Physiotherapeutinnen ohne Rezept behandeln dürfen.

Wer übernimmt die Kosten für einen Hausbesuch?

Der Hausbesuch ist nur erstattungsfähig, wenn die Ärztin ihn auf dem Rezept ausdrücklich angekreuzt hat. Die Kasse trägt dann den Hauptanteil, Versicherte zahlen einen pauschalen Eigenanteil pro Besuch (oft 10 bis 25 €) plus die übliche prozentuale Zuzahlung. Ohne ärztliche Kennzeichnung wird der Hausbesuch privat berechnet.

Was tun, wenn das Rezept abgelaufen ist?

Ist die Einlösefrist von 28 Tagen oder die Behandlungsbeginn-Frist von 14 Tagen verstrichen, ist die Verordnung ungültig. Sie brauchen entweder ein neues Rezept oder eine kurze schriftliche Begründung der ausstellenden Ärztin, warum sich der Beginn verzögert hat. Manche Praxen kümmern sich darum, fragen Sie kurz nach.

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